Elternschaftsentscheidungen im Beziehungs- und Familienpanel pairfam

In Bezug auf Fertilitätsanalysen werden unterschiedliche Übergangs- bzw. Entscheidungsphasen unterschieden: Zum einen geht es um den Prozess der Familiengründung, bei dem die generelle Entscheidung für oder gegen Kinder im Mittelpunkt steht. Zum anderen geht es um die Familienerweiterung, bei der die Motivation für oder gegen ein zweites Kind bzw. weitere Kinder von Interesse sind und entsprechend erhoben werden:

  • Empfängnisverhütung und Sexualität
  • Kinderwunsch
  • Zeitpunkt der Elternschaft
  • Anzahl der Kinder
  • Fertilitätsabsicht
  • Timing von Elternschaft
  • Voraussetzungen und Einschränkungen in anderen Lebensbereichen
  • Gründe gegen (weitere) Kinder

Theoretischer Ansatz und Forschungsstand

Familiengründung und Elternschaft sind Ziele individueller Wohlfahrtsproduktion im Lebenslauf. Akteure stellen mit den Elternschaftsbeziehungen eine besondere Art sozialer Beziehungen her, die vor allem psychisch-emotionale Aspekte individueller Wohlfahrt hervorbringen, welche in anderen Lebenszusammenhängen nur schwer zu erreichen sind. Gleichzeitig aber steht elterliches Engagement in Konkurrenz zu wohlfahrtsfördernden Aktivitäten in anderen Lebensbereichen und sozialen Beziehungen.

Kinder sind für die meisten Menschen nach wie vor erstrebenswert (Nauck 2007). Die Mehrheit der Bevölkerung, auch der Kinderlosen, wünscht sich Kinder (Höhn et al. 2006; Klein 2006; Ruckdeschel 2004, 2007).[1] Eine Familiengründung wird jedoch nicht mehr bedingungslos angestrebt. Sie ist Gegenstand einer Entscheidung von großer Tragweite geworden, die auch ganz gegen Kinder ausfallen kann (Rupp 2005: 23). Kinder und Familie sind daher kein unhinterfragter Bestandteil der Lebensplanung (mehr), sondern das Ergebnis eines Abwägungsprozesses. Die leichte Verfügbarkeit sicherer Verhütungsmittel eröffnet die Möglichkeit, individuelle Lebensziele in Bezug auf Kinder auch planvoll umzusetzen.

Dem theoretischen Ansatz für das pairfam-Projekt insgesamt folgend gehen wir bei der Modellierung des Abwägungsprozesses zur Geburt von Kindern von einem Mehrebenenmodell beschränkt rationalen Handelns von Akteuren aus (Esser 1999). Die objektive Anreizstruktur, d. h. Handlungsgelegenheiten und Handlungsrestriktionen in den unterschiedlichen Bereichen der sozialen Umwelt (wirtschaftliche, institutionelle und soziale Rahmenbedingungen) und die individuell verfügbaren Ressourcen (z. B. Bildung, Gesundheitszustand, materielle Lage), werden vor dem Hintergrund der persönlichen Ziele und Präferenzen, psycho-sozialen Dispositionen und Ziel bezogener Ansprüche bewertet. Diese Bewertung mündet in eine subjektiv-situationale Motivstruktur des Akteurs, die festlegt, welche Ziele wann angegangen und erreicht werden sollen. Sie gründet auf Annahmen über die situationsbedingte Instrumentalität und Effizienz möglicher Handlungsziele zur Herstellung und zum Erhalt individueller Wohlfahrt. Hinzu kommen die situationale Relevanz der Ziele im Verhältnis zueinander (Zielsalienz) und die Einschätzung der Chancen, ein bestimmtes Ziel auch zu erreichen (Kontrollerwartung).

So spielen auch bei der Entscheidung für oder gegen Kinder die subjektiven Erwartungen über Wohlfahrtsgewinne und -verluste durch Elternschaft im Vergleich zu alternativen Optionen der Wohlfahrtsproduktion eine wesentliche Rolle (Ajzen 1991; Liefbroer 2005; Trommsdorff/Nauck 2005). Die Erwartungen hängen von den sozialen, ökonomischen, politischen und institutionellen Lebensbedingungen im persönlichen Umkreis, in der regionalen Lebensumwelt und in der Gesellschaft insgesamt sowie von den verfügbaren Ressourcen für eine Elternschaft ab. Sie sind gleichzeitig durch die antizipierten Auswirkungen des Lebens mit Kindern auf das Engagement in anderen Lebensbereichen, durch Einstellungen, Präferenzen bzw. Vorstellungen im Hinblick auf Familie und die anderen Lebensbereiche sowie durch die zukünftigen Perspektiven der Akteure und ihrer Lebenspartner bestimmt.

Die nutzentheoretische Argumentation wird durch entwicklungspsychologische bzw. entwicklungsregulatorische Thesen erweitert: Wenn Ziel bezogene Ansprüche erreicht werden, wird das wohlfahrtsfördernd wahrgenommen. Werden sie nicht erfüllt oder lassen sie sich nicht erfüllen, gilt das als wohlfahrtsmindernd. Misserfolge bei der Zielverfolgung erweisen sich psychologisch als kostenträchtig, da sie die individuelle Kontrollwahrnehmung und damit eine positive Selbstwahrnehmung gefährden. Akteure reagieren darauf, indem sie entweder aktiv versuchen durch zusätzliche Anstrengungen die Bedingungen für die Zielrealisierung zu verbessern (Assimilation) oder indem sie ihre Ansprüche an die Realisierung der Ziele anpassen (Akkomodation) (Brandtstädter 2007).

Ausgehend von diesen allgemeinen theoretischen Vorstellungen werden im Folgenden verschiedene Aspekte, die Elternschaftsentscheidungen beeinflussen, genauer betrachtet.

 

Kosten- und Nutzen von Kindern

Erstens muss das Konzept der Wohlfahrtsproduktion konkretisiert werden, indem verschiedene Dimensionen von Nutzen und Kosten, die mit Kindern einhergehen können, unterschieden werden: Der Ökonom Leibenstein (1957) unterscheidet drei verschiedene Dimensionen von Wohlfahrtsnutzen durch Kinder: Konsumnutzen (psychisch-emotionaler Nutzen), Einkommensnutzen (materielle Vorteile) und Versicherungsnutzen (existenzielle Absicherung). Darüber hinaus unterscheidet er zwei Kostenarten: direkte Kosten (Investitionen in Kindererziehung) und indirekte Kosten (Opportunitätskosten). Ähnlich geht der sozialpsychologische Ansatz der values of children von verschiedenen Nutzen- und Kostendimensionen aus. Nauck (2001) unterscheidet eine ökonomische, eine psychische und eine soziokulturelle Nutzenkomponente. Die letzte Komponente, die bei Leibenstein nicht explizit genannt wird, verweist auf den Umstand, dass Elternschaft auch eine Quelle sozialer Anerkennung sein kann. Einig sind sich die verschiedenen Ansätze darin, dass in modernen Gesellschaften mit der Verbesserung der materiellen Lebenssituation der Menschen der psychisch-emotionale Nutzen (Affekt, Identität, Generativität) von Kindern zunehmend gegenüber den anderen Nutzenarten dominiert (Schoen et al. 1997).

Gleichzeitig haben die direkten und indirekten Kosten von Kindern zugenommen. Die direkten Kosten steigen mit dem Ausmaß der Investitionen in die Pflege und Erziehung der Kinder, die wiederum mit den Ansprüchen der Eltern an die „Qualität“ der Kinder zunehmen (Becker 1991). Die Anforderungen an Elternschaft und die Ansprüche der Eltern bezogen auf die Erziehung ihrer Kinder sind in den letzten Jahrzehnten – etwa in Hinblick auf Bildung der Kinder und die Qualität von Freizeitaktivitäten – gestiegen (Borchard et al. 2008; Meyer 2002). Deshalb nimmt nicht nur der finanzielle und zeitliche Aufwand für die Erziehung der Kinder zu; auch das Risiko des Scheiterns in der Elternrolle wird größer (Huinink/Schröder 2008). Ansprüche und Mindeststandards hinsichtlich der Erziehung der Kinder haben daher eine große Bedeutung für die Bereitschaft, Kinder großzuziehen. Die indirekten Kosten von Kindern, darunter die Opportunitätskosten, steigen in dem Maße, in dem Elternschaft die Realisierung von Einkommen im Arbeitsmarkt sowie die gleichberechtigte Teilhabe an außerfamilialen Aktivitäten beeinträchtigt (Beck-Gernsheim 2006; Becker 1991; Brewster/Rindfuss 2000). Frauen in (hoch-)qualifizierten beruflichen Positionen sind besonders davon betroffen, wenn die Möglichkeiten zur außerhäuslichen Betreuung von Kindern schlecht sind. Opportunitätskosten steigen auch für Männer, wenn und soweit sie sich stärker an Familienarbeit und Erziehung beteiligen als in früheren Zeiten.

 

Wechselwirkungen mit anderen Zielen und Ereignissen im Lebenslauf

Zweitens ergeben sich verschiedene Folgerungen aus der Tatsache, dass Familienleben und Elternschaft in den individuellen Lebenslauf eingebettet sind  (Huinink 1995; Seltzer et al. 2005). Elternschaft steht – und das ist besonders relevant – in Konkurrenz zum Engagement für andere Lebensziele wie eine berufliche Karriere, der Erwerb materiellen Wohlstands oder persönliche Unabhängigkeit. Die bisherige Forschung konzentrierte sich auf die Frage der Vereinbarkeit von Beruf und Familie bei Frauen und die Bedeutung der Erwerbsbeteiligung von Männern für die Familiengründung und –erweiterung (Boehnke 2007; Kreyenfeld 2001; Kreyenfeld 2003; Kreyenfeld/Geisler 2006; Kurz 2005; Neyer et al. 2007; Schröder 2005, 2006; Schröder/Brüderl 2008; Tölke/Diewald 2003; Wirth 2007). Neben dem Verhältnis von Familie und Beruf sind aber auch Wechselwirkungen zwischen Familie und anderen Bereichen des Lebenslaufs zu berücksichtigen. Die Bereitschaft zur Familiengründung hängt umfassender davon ab, inwieweit Frauen und Männer es für möglich halten, Familie und Aktivitäten in allen anderen Lebensbereichen zu vereinbaren bzw. welche Auswirkungen auf andere Bereiche sie antizipieren. Eine Rolle spielt, ob sie bereit sind, sich zugunsten eigener Kinder in anderen Bereichen einzuschränken. Solche Anpassungsleistungen in anderen Lebensbereichen (z. B. Beruf oder Freizeit) werden wiederum an den dort geltenden Ansprüchen gemessen. Relevant ist dann auch die Frage, ob und inwieweit ein Engagement in nichtfamilialen Lebensbereichen für Frauen und Männer Wohlfahrtseffekte einer Elternschaft substituieren kann und umgekehrt. Diese Zusammenhänge sind bislang kaum untersucht (Diewald 2003).

Elternschaft ist eine stark und langfristig bindende soziale Beziehung. Daher ist der Bedarf an Ressourcen- und Verhaltenssicherheit im Hinblick auf die zukünftige Lebensplanung in allen Lebensbereichen groß. So erscheint es plausibel, dass Kinder zumindest erst dann in Betracht gezogen werden, wenn Mindeststandards bezogen auf die Wohlfahrtsproduktion in allen Lebensbereichen nicht unterschritten werden. Akteure müssen daher Vorstellungen über persönliche wie strukturelle Voraussetzungen haben, die erfüllt sein sollten, bevor man eine Elternschaft anstrebt (Huinink 1995). Hierzu gehören etwa eine abgeschlossene Berufsausbildung, eine gesicherte materielle Existenz, eine stabile Erwerbstätigkeit und eine funktionierende Paarbeziehung (Höhn et al. 2006; Huinink et al. 2008; Institut für Demoskopie Allensbach 2004; Klein/Eckhard 2008).Wenn oder solange diese Voraussetzungen nicht erfüllt sind, werden Kinderwünsche nicht realisiert.

Welche Bedeutung biographische Unsicherheit für die (Nicht-) Realisierung von Kinderwünschen hat, ist noch nicht abschließend geklärt. Die „Unsicherheitsreduktionshypothese“ von Friedman et al. (1994) legt nahe, dass – vor allem für Frauen – in Phasen ökonomischer Unsicherheit Ziele außerhalb der beruflichen Sphäre an Bedeutung gewinnen und die Mutterrolle eine positiv besetzte Alternativrolle sein könnten. Somit könnte sich Arbeitslosigkeit zumindest bei Frauen förderlich auf die Familiengründung auswirken. Studien zum Einfluss von Arbeitslosigkeit, beruflichen Abstiegen oder Befristungen auf Elternschaftsentscheidungen haben allerdings unterschiedliche, zum Teil widersprüchliche Resultate ergeben (Brose 2008; Del Bono et al. 2008; Kurz 2005; Schmitt 2008).[2]

Aus der Lebenslaufperspektive sind auch die Wechselwirkungen zwischen verschiedenen Ereignissen und zeit- bzw. altersbezogene Normen zu beachten. Im jungen Erwachsenenalter drückt sich das darin aus, dass in einer relativ kurzen Zeitspanne im Lebenslauf unterschiedlichste, miteinander konkurrierende biografische Anforderungen erfüllt werden müssen. Das hat seinen Niederschlag in der Metapher von der „rush hour des Lebens“ gefunden (Höhn et al. 2006: 51). Zwar ist die Zeitsouveränität für die Familiengründung vergleichsweise groß, da sie als Entwicklungsziel weniger starken biografischen Zwängen und institutionellen Regulierungen oder Erwartungen unterliegt als etwa der Abschluss einer Ausbildung und der Berufseinstieg. Letztere haben in der Phase des Übergangs zum Erwachsenenalter Vorrang. Verlängerte Ausbildungszeiten verzögern daher die Familiengründung und verkürzen das Zeitfenster für die Verwirklichung von Kinderwünschen. Auch der verspätete Eintritt von Ereignissen wie z. B. dem Auszug aus dem Elternhaus, wirkt sich negativ auf die Familiengründungsbereitschaft aus. Der Grund ist, dass die ökonomische Selbstständigkeit verzögert erreicht wird, die wiederum als Voraussetzung für die Gründung einer Familie angesehen wird (Hagestad/Call 2007). In dem Maße, wie eine Familiengründung wegen Ausbildung oder anderen biographischen Zuständen aufgeschoben wird, drohen die Spielräume dafür kleiner zu werden, da die Dauer der fertilen Phase biologisch, aber immer auch noch sozio-normativ bedingt, begrenzt ist.

Insoweit kann eine Familiengründung mit fortschreitendem Alter dringlicher werden und die Relevanz gegenüber anderen Lebensbereichen zunehmen (Heckhausen et al. 2001). Unter Umständen werden Voraussetzungen, Ansprüche und Antizipationen von Auswirkungen der Elternschaft auf andere Lebensbereiche im Zeitverlauf „gelockert“. Alternativ kann sich ein Paar für dauerhafte Kinderlosigkeit entscheiden. Häufiger dürfte aber ein „Hineinschlittern“ in die Kinderlosigkeit sein. Nach bisher vorliegenden Forschungsergebnissen, die zum großen Teil auf Querschnittsuntersuchungen oder qualitativen Studien beruhen (Carl 2002; Nave-Herz 1988: 97; Onnen-Isemann 2008; Rupp 2005; Safer 1998; Schneewind et al. 1992: 123) sind etwa ein Drittel der Kinderlosen „Frühentscheider“ oder bewusst kinderlose Personen, die sich schon früh im Lebenslauf gegen eine Familiengründung entscheiden und eine geringe Kinderorientierung haben. Kinderlosigkeit resultiert in den meisten Fällen daraus, dass die Realisierung eines eigentlich vorhandenen Kinderwunsches immer weiter aufgeschoben wird, bis es aus biologischen Gründen nicht mehr möglich ist, Kinder zu bekommen oder subjektiv „die Bereitschaft für eine so umfassende Umstellung der Lebensverhältnisse, wie sie der Übergang zur Elternschaft darstellt, nachlässt (…)“ (Rupp 2005). Solche Dynamiken und Anpassungsprozesse können nur im Rahmen von Längsschnittstudien umfassend abgebildet werden.

 

Kontextbedingungen für Elternschaftsentscheidungen

Drittens ist zu beachten, dass sich der Entscheidungsprozess für oder gegen Kinder in bestimmten gesellschaftlichen oder sozialen Kontexten auf unterschiedlichen Ebenen vollzieht.

Auf der gesellschaftlichen Ebene gehören hierzu wohlfahrtsstaatliche Arrangements und familienpolitische Maßnahmen. Diese können die Vereinbarkeit von Lebensbereichen – etwa Beruf und Familie - erleichtern oder erschweren und insoweit die subjektive Motivstruktur und die wahrgenommenen und tatsächlichen Kosten von Kindern beeinflussen. Dass institutionelle Rahmenbedingungen auf Elternschaftsentscheidungen wirken können, wird dadurch nahegelegt, dass es in Ländern mit unterschiedlicher familienpolitischer Ausrichtung auch unterschiedliche Muster der Familienentwicklung gibt.[3] In (West-) Deutschland wird generell eine „strukturelle Rücksichtslosigkeit“ gegenüber Familien konstatiert (Kaufmann 1995). Ob und wie sich institutionelle Rahmenbedingungen auf Elternschaftsentscheidungen auswirken bzw. durch welche Maßnahmen besonders starke Effekte erzielt werden können, ist jedoch nach wie vor nicht abschließend geklärt. Meier (2005) kommt nach Durchsicht und Bewertung verschiedener internationaler und nationaler Studien auf der Basis von Makro- und Mikrodaten zu dem zusammenfassenden Ergebnis, dass finanzielle Anreize (Kindergeld, Steuerfreibeträge, Elterngeld) noch am ehesten einen Einfluss auf das Fertilitätsverhalten haben. Die Verfügbarkeit von Kinderbetreuungsmöglichkeiten ist offenbar weniger wichtig bzw. schwer nachweisbar.[4] Familienpolitische Maßnahmen scheinen zudem vor allem das Timing der Familiengründung bzw. die Realisierung vorhandener Kinderwünsche zu beeinflussen (Aassve/Lappegard 2009; Dorbritz et al. 2005; Fokkema/Esveldt 2006). Für die Frage, ob man sich überhaupt Kinder wünscht, scheinen sie nur eine untergeordnete Rolle zu spielen.

In Erweiterung dieser Fragestellung müssen regionale Unterschiede in der Geburtenentwicklung, hinter denen Unterschiede im Entscheidungsverhalten der Menschen zu vermuten sind,  noch genauer analysiert werden. Bisher ist dieser Sachverhalt nur wenig und wenn, dann eher durch Berücksichtigung struktureller Variablen auf der Individual- und Regionalebene untersucht worden (Hank 2001, 2003). Für die historisch recht stabilen Unterschiede zwischen Regionen dürften aber vor allem kulturelle Faktoren bedeutsam sein, die bisher kaum in entsprechende Analysen einbezogen wurden.

Soziale Netzwerke als Teile der sozialen Umwelt von Akteuren sind in mehrfacher Hinsicht bedeutsam für Elternschaftsentscheidungen (Bernardi et al. 2007; Bühler 2008; Bühler/Philipov 2005; Keim et al. 2009; Kohler 2001). Sie sind potenzielle Ressourcen etwa in Hinblick auf finanzielle oder emotionale Unterstützung sowie Kinderbetreuung. Sie können aber auch Ressourcen abziehen, etwa bei Pflegebedürftigkeit der eigenen Eltern. Schließlich werden in Netzwerken vertretene Werte und Orientierungen vermittelt sowie bestimmte Lebensstile vorgelebt. Insoweit können durch Personen im Netzwerk vorhandene Ansprüche, Erwartungen oder Befürchtungen in Bezug auf Kinder und Elternschaft bestärkt oder verringert werden oder auch normativer Druck ausgeübt werden. Werden Erwartungen nicht erfüllt, drohen Sanktionen (z. B. sozialer Ausschluss), die Kosten verursachen. Die Forschungsergebnisse zum Einfluss von sozialen Netzwerken auf das generative Verhalten beruhen vor allem qualitativen Studien mit wenigen Fällen oder auf Querschnittsdaten.  Daher muss bisher offen bleiben, ob ein Kinderwunsch durch Personen mit Kindern im Bekanntenkreis „gefördert“ wird oder sich Personen mit Kinderwunsch „gezielt“ ein passendes Umfeld suchen. Diese und ähnliche Fragen können nur mit Paneldaten sicher beantwortet werden.

Die Entscheidungssituation ist schließlich dadurch gekennzeichnet, dass sich generatives Verhalten im Rahmen von Paarbeziehungen abspielt. Die Entscheidung zugunsten oder zuungunsten von Kindern kann nicht, wie im unitaristischen Modell Gary Beckers (1991) angenommen, allein durch die Optimierung eines gemeinsamen Haushaltsnutzens begründet werden. Verhandlungstheoretische Ansätze berücksichtigen dagegen die mittel- und langfristigen individuellen Wohlfahrtsinteressen der Partner (Ott 1992). In Modellen zur Erklärung von Elternschaftsentscheidungen werden allerdings häufig nur Merkmale von Frauen oder – seltener – von Männern einbezogen. Die Berücksichtigung des Partnerschaftskontextes ist in verschiedener Hinsicht von Bedeutung. Eine funktionierende Partnerschaft gilt grundsätzlich als wichtige Voraussetzung für Elternschaft (Höhn et al. 2006; Institut für Demoskopie Allensbach 2004; Huinink et al. 2008). Partnerlosigkeit bzw. die Instabilität von Paarbeziehungen (Eckhard 2006) sowie die Partnerschaftsqualität (Rijken/Liefbroer 2008) und die Antizipation von Partnerschaftskonflikten (Klein/Eckhard 2008) können sich nachteilig auf die Entstehung und Realisierung von Kinderwünschen auswirken.[5] Zumindest in Deutschland sind dyadische Analysen, die das Zusammenspiel von Orientierungen und Verhaltensweisen von Paaren in Hinblick auf den Kinderwunsch und die Geburt von Kindern beleuchten, bisher selten durchgeführt worden. Bei Differenzen in wichtigen, den Nachwuchs betreffenden Wertvorstellungen und Meinungen, etwa unterschiedlich ausgeprägtem Kinderwunsch, ist eine Blockade oder Verzögerung der Familiengründung oder -erweiterung zu erwarten (Miller et al. 2004; Thomson 1997). Eine noch weitgehend ungeklärte Frage in diesem Zusammenhang ist, ob sich die Kinderwünsche von Mann und Frau wechselseitig beeinflussen und wie stark der relative Einfluss von Mann und Frau auf das Fertilitätsverhalten ist (Stein/Pavetic 2008).

 

Psychosoziale Dispositionen und normative Aspekte von Elternschaftsentscheidungen

Viertens ist auf die Bedeutung psychosozialer Dispositionen und normativer Aspekte für Elternschaftsentscheidungen zu verweisen. Diese resultiert u. a. daraus, dass die Entscheidungssituation sehr komplex ist. Es ist anzunehmen, dass die Bilanzierung von Vor- und Nachteilen von Kindern nicht immer zu einem eindeutigen Ergebnis führt. Die langfristigen Konsequenzen von Elternschaft sind nur schwer abschätzbar und die „Verrechnung“ der Nutzen- und Kostendimensionen bei Kindern und anderen Bereichen der Wohlfahrtsproduktion ist kaum möglich (Kommensurabilitätsproblem). Die Rationalität der Entscheidung und die Kontrolle über das „Wann“ und „Ob“ der Geburt von Kindern müssen daher beschränkt sein. Das verweist auf die Bedeutung kultureller Verankerungen, die sich auch in regional unterschiedlichen Mustern von Familienentwicklung äußern können (Hank 2003; Lesthaege 2002; Lesthaege/Surkyn 2004), sowie individuelle Werte und Überzeugungen zu Ehe, Elternschaft und dem Engagement in anderen Lebensbereichen (Hakim 2003). Diese so genannten psychosozialen Dispositionen werden beispielsweise durch Sozialisation bzw. Wertetransmission begründet oder durch Referenzgruppen (Easterlin 1980; Leibenstein 1975) und soziale Beziehungen (Bernardi et al. 2006, 2007; Kohler 2001) vermittelt oder stabilisiert.

Eine handlungsleitende Rolle kommt dabei u. a. der Norm der „verantworteten Elternschaft“ zu: „Die Gründung einer Familie wird heute in der Regel erst dann ins Auge gefasst, wenn sich die potentiellen Eltern der Verantwortung , die sie für das Leben ihrer Kinder übernehmen, auch gewachsen fühlen“ (Müller-Burhop 2008: 21 f.). Idealvorstellungen in Hinblick auf Erziehung und Mutterschaft können dabei auch eine Hemmschwelle für die Entscheidung zur Elternschaft sein, wie vor allem qualitative Studien gezeigt haben (Kühn 2004; Maher/Saugeres 2007).

Die Bedeutung von Wertorientierungen und Einstellungen für Elternschaftsentscheidungen ist nicht gut erforscht, da bisher strukturelle Einflussfaktoren im Vordergrund der Analysen standen. Ihr möglicher Einfluss wurde bisher, wenn überhaupt, im Rahmen von quantitativen und qualitativen Querschnittstudien untersucht, die dafür aber nicht das adäquate Design bieten. Nur mit Paneldaten können Prozesse der Wertegenese und –adaption sowie der Einfluss von psychosozialen Dispositionen verschiedener Art auf Elternschaftsentscheidungen adäquat untersucht werden. Die Frage, ob Wertorientierungen Ursache oder Folge der Geburt von Kindern sind, ist anders nicht zu beantworten (Lesthaeghe/Moors 2002: 38 f.; Moors 2008; Strege 2008).

Bezogen auf eine mögliche Familienerweiterung können sich die Erfahrungen mit einem ersten Kind auf die Einschätzung der Vor- und Nachteile und/oder die antizipierten Folgen von Elternschaft auswirken. Insoweit ist auch davon auszugehen, dass sich die Bedingungen für Familiengründung (erstes Kind) und Familienerweiterung (zweites und weiteres Kind) unterscheiden (Huinink 1995; Kreyenfeld 2002, 2009; Kreyenfeld/Zabel 2005). Diese Dynamiken und damit einhergehende entwicklungsregulative Anpassungsprozesse sind bislang wenig untersucht. Sie können nur im Rahmen von langfristig angelegten Panelstudien erforscht werden, bei denen unterschiedliche Alterskohorten über einen langen Zeitraum beobachtet werden.

Neben einem kalkulierendem Entscheidungsmodus kann es also noch weitere Entscheidungsgrundsätze für Elternschaft geben, etwa emotionale oder normative (Huinink et al. 2008). Wenn Kinder als normative Selbstverständlichkeit aufgefasst werden, wird möglicherweise eine Entscheidung für Kinder getroffen, auch wenn damit gravierende Kosten und Einschränkungen verbunden sind. Möglich ist aber auch, dass die Entscheidung zur Elternschaft aufgeschoben wird, solange keine sichere Kosten-Nutzen-Abschätzung möglich ist. In diesem Fall wird das Risiko einer Selbstbindung also nicht eingegangen, auch wenn durchaus Vorteile einer Elternschaft gesehen werden mögen. „Werden die emotionalen oder normative Aspekte der Elternschaft ausgeblendet und hält man einzig am kalkulierenden Entscheidungsmodus fest, wird man sich eher gegen Kinder entscheiden oder deren Geburt zumindest aufschieben“ (Huinink et al. 2008: 333).

 

Biologische Voraussetzungen

Fünftens sei schließlich darauf verwiesen, dass die Realisierung oder Nicht-Realisierung eines Kinderwunsches natürlich davon abhängt, ob es aus medizinischen Gründen möglich ist, Kinder zu bekommen, oder nicht. Im Falle medizinisch bedingter, unfreiwilliger Kinderlosigkeit sind  die  Entscheidungsgrundlagen und -alternativen zweifellos anders als bei Individuen oder Paaren, die grundsätzlich Kinder bekommen könnten: Man kann sich mit der Situation arrangieren, also die Kinderlosigkeit akzeptieren und alternative Lebenspläne entwickeln, man kann ein fremdes Kind adoptieren. Man kann sich auch den Mühen der Reproduktionsmedizin unterziehen und die Kosten dafür tragen (Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung 2007; Onnen-Isemann 2000; Stöbel-Richter et al. 2008). Daraus kann sich auch als neuer Zwang ergeben, alles was möglich ist auch zu probieren: „Ungewollte Kinderlosigkeit scheint immer weniger akzeptabel zu sein. Fertilitätstechnische Methoden gelten als selbstverständlich und werden routinemäßig angewandt“ (Zeller-Steinbrich 2008: 449).


[1] Nach Berechnungen auf Basis der PPAS hat der Anteil ohne Kinderwunsch im Zeitverlauf zugenommen und ist in Westdeutschland höher als in Ostdeutschland. Da es sich um Querschnittdaten handelt, lässt sich mit der PPAS nichts über die Stabilität oder Instabilität des Kinderwunsches sagen. Neuere Analysen mit deutschen und niederländischen Paneldaten (Heiland et al. 2008; Liefbroer 2008) zeigen, dass sich der Kinderwunsch im Lebensverlauf in Abhängigkeit von verschiedenen Faktoren und Ereignissen durchaus verändern kann.

[2] Die Bedeutung von ökonomischer Unsicherheit ist offenbar für den Übergang zum ersten Kind in Ost- und Westdeutschland unterschiedlich: So schieben arbeitslose ostdeutsche Frauen Geburten nicht auf (Huinink/Kreyenfeld 2004; Kreyenfeld 2001). Der Grund hierfür sind möglicherweise kulturelle Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland und unterschiedliche Vorstellungen in Hinblick auf die Sequenzierung im Lebenslauf: „In Western Germany, a relatively secure job career is expected to precede family formation, and this sequence of transitions is rather rigid, whereas in eastern Germany job security and family formation are thought of and practiced as parallel investments” (Bernardi et al. 2008: 287). Die international vergleichende Studie von Christian Schmitt (2008) zeigt ebenfalls, dass sich Arbeitslosigkeit je nach institutionellem Kontext und Geschlecht unterschiedlich auf die Familiengründung auswirkt. Darüber hinaus hängt der Einfluss ökonomischer Unsicherheit auch vom Bildungsstand und von der Lebensorientierung ab: Bei Frauen mit hoher Erwerbsorientierung ist ein negativer Effekt auf die Familiengründung zu erwarten, weil sie sich ihre weiteren Karrierechancen nicht verbauen wollen. Bei Frauen mit geringer Erwerbsorientierung und hoher Familienorientierung findet man eher einen positiven Effekt, weil die Familiengründung in diesem Falle geringe Opportunitätskosten mit sich bringt und die Familienrolle positiv besetzt ist.

[3] Beispielsweise gibt es in Frankreich, aber auch in Dänemark und Schweden deutlich niedrigere Anteile von Kinderlosen als in Deutschland (Dorbritz/Ruckdeschel 2007: 54 ff.; Frejka 2008; Kreyenfeld/Konietzka 2007: 19 f.; Rupp 2005: 22). Auch ist Kinderlosigkeit in Ostdeutschland deutlich geringer verbreitet als in Westdeutschland: Von den Geburtsjahrgängen 1957 bis 1961 sind in Westdeutschland 2006 23% kinderlos, in Ostdeutschland nur etwa 10% (Statistisches Bundesamt 2007: 28 f.).

[4] Auch Hank und Kreyenfeld (2003) finden, dass das Angebot an Kinderbetreuung zumindest in Westdeutschland keinen Einfluss auf den Übergang zum ersten Kind hat. In einer Studie des Instituts Allensbach (Institut für Demoskopie Allensbach 2004: 23 f.) rangierten Kinderbetreuungsmöglichkeiten ebenfalls nicht an prominenter Stelle bei den Voraussetzungen, die für eine Elternschaft unbedingt erfüllt sein müssen. Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt eine qualitative Studie von Müller-Burhop (2008: 197): „Interessanterweise äußert (entgegen der hohen Bedeutung einer beruflichen Absicherung) keine(r) der Befragten, dass die Frage nach dem Vorhandensein adäquater Betreuungsmöglichkeiten Einfluss auf die grundsätzliche Entscheidung für ein Leben mit Kindern gehabt habe.“

[5] Wenn Paare betrachtet bzw. Merkmale beider Partner berücksichtigt werden ändert sich zum Teil auch das Gewicht bzw. die Bedeutung einzelner Faktoren gegenüber Modellen, in denen Fertilität im individuellen Lebenslauf untersucht wird. So konnte etwa aufgedeckt werden, dass einige Individualfaktoren (z. B. Alter und Bildung) vor allem die Partnerwahl beeinflussen und nur dadurch vermittelt auch auf die Fertilität wirken (Klein 2003; Kurz 2005).

Forschungsziele

Das übergreifende Ziel der Analysen im Bereich „Elternschaftsentscheidungen“ ist es, die Bestimmungsfaktoren für Kinderlosigkeit und die Geburt erster sowie weiterer Kinder (Familiengründung und Familienerweiterung) zu untersuchen. Das übergreifende Ziel kann in verschiedene Themenkomplexe aufgegliedert werden:

1. Dynamik von Kinderwünschen

Es wird systematisch zwischen der idealen gewünschten Kinderzahl und der realistischen, erwarteten Kinderzahl unterschieden. Es gibt zwar eine gewisse Plausibilität für die Annahme, dass der ideale Kinderwunsch, der eher eine allgemeine Kinderorientierung abbildet, über die Zeit relativ stabil ist, während der realistische Kinderwunsch stärker an sich verändernde Bedingungen angepasst wird. Andererseits gibt es Hinweise dafür, dass sich auch der ideale Kinderwunsch ändern kann, was auf entwicklungsregulative Prozesse zurückzuführen sein könnte.

2. Timing von Elternschaftsentscheidungen im Lebenslauf

In Hinblick auf die Analyse des Timings der Familiengründung, des Spacings zwischen den Geburten und der Ursachen für den Verzicht auf (weitere) Kinder (Stopping) sind verschiedene Aspekte von Bedeutung, die in der bisherigen Forschung unterbelichtet wurden.

  • 2.1 Verschränkung von Elternschaftsentscheidungen und weiteren Lebensbereichen
  • Elternschaft konkurriert mit anderen Lebenszielen. Insoweit ist einerseits zu fragen, wie sich das Engagement in anderen Lebensbereichen (z. B. Erwerbstätigkeit) und die materielle Lage auf die Bereitschaft zur Familiengründung auswirken. Andererseits stellt sich die Frage, welche (positiven oder negativen) Auswirkungen von Elternschaft auf andere Lebensbereiche antizipiert werden und ob sich diese Antizipationen im Lebenslauf ändern.
  • 2.2 Biografische Unsicherheit und Elternschaftsentscheidungen
  • Die Befundlage zu den Konsequenzen von Arbeitslosigkeit und anderen Situationen biografischer Unsicherheit für Elternschaftsentscheidungen ist widersprüchlich. Da davon auszugehen ist, dass sich ökonomische Unsicherheit in verschiedenen biografischen Konstellationen unterschiedlich auswirken kann, sollen insbesondere Interaktionseffekte zwischen Bildungsniveau, sozialen und institutionellen Rahmenbedingungen und individuellen Orientierungen bzw. Lebensentwürfen einerseits und ökonomischer Unsicherheit andererseits systematisch erforscht werden.
  • 2.3 Elternschaftserfahrungen und Familienerweiterung
  • Die Einflussfaktoren für die Geburt erster und zweiter Kinder unterscheiden sich. Besonderes Augenmerk soll der Frage gewidmet werden, welche Rolle positive oder negative Erfahrungen mit dem ersten Kind für die Entscheidung zum zweiten Kind spielen.
  • 2.4 Bedeutung und Dynamik psychosozialer Dispositionen für Elternschaftsentscheidungen
  • Wir gehen davon aus, dass sich Werte und Einstellungen und damit die individuellen Motive in Bezug auf Familie und Kinder im Lebenslauf ändern können und so das Timing und Spacing der Geburten beeinflussen. Nur mit Paneldaten können Effekte psychosozialer Dispositionen auf Verhaltensentscheidungen (Selektion) und deren Veränderungen über die Zeit (Adaption) untersucht werden.

3.  Dauerhafte Kinderlosigkeit

Lässt man die Gruppe außer Betracht, die aus medizinischen Gründen keine Kinder bekommen kann, so sind insbesondere zwei Gründe für dauerhafte Kinderlosigkeit auszumachen: eine frühe Entscheidung gegen Kinder, die mit geringer Kinderorientierung einhergeht oder das Aufschieben der Realisierung eines eigentlich vorhandenen Kinderwunsches. Daher sind die Ursachen für dauerhafte Kinderlosigkeit zu erforschen. Wir wollen die Frage beantworten, was „späte Mütter“ von Frauen, die ihre Kinderwünsche nicht realisieren, unterscheidet. Unklar ist bislang auch, wie hoch ist der Anteil der „bewusst Kinderlosen“ (= Personen ohne idealen Kinderwunsch) in den jüngeren Altersgruppen ist. Was sind die Gründe dafür, dass sich Personen frühzeitig gegen Kinder entscheiden und welche Rolle spielen hierbei etwa Erfahrungen aus der eigenen Kindheit? Umgekehrt ist zu fragen, wie groß ist die Gruppe der unfreiwillig Kinderlosen ist, welche Möglichkeiten der Reproduktionsmedizin genutzt werden oder unter welchen Bedingungen auch eine Adoption in Erwägung gezogen wird.[1]

4. Paaranalyse von Elternschaftsentscheidungen

Der Partnerschaftsstatus und die Art des Zusammenlebens mit dem Partner (z. B. Wochenendbeziehung, Fernbeziehung) spielt für die Entstehung, Entwicklung und Realisierung von Kinderwünschen eine wesentliche Rolle, die es genauer zu untersuchen gilt. Zudem kann in dyadischen Analysen  das Zusammenspiel von Orientierungen und Verhaltensweisen von Paaren in Hinblick auf den Kinderwunsch und die Geburt von Kindern analysiert werden. Damit soll geklärt werden, wie hoch die Übereinstimmung zwischen den Partnern in Hinblick auf die Zahl und das Timing gewünschter Kinder ist und welche Folgen eine mangelnde Übereinstimmung zwischen den Paaren für Fertilitätsentscheidungen hat. Auch die  Rolle der Partnerschaftsqualität für Familiengründung und -erweiterung und die Frage, welcher Partner relativ das stärkste Gewicht bei Elternschaftsentscheidungen hat, ist in diesem Zusammenhang von Bedeutung.

5. Bedeutung sozialer Netzwerke für Elternschaftsentscheidungen

Bei der Analyse des Einflusses sozialer Netzwerke auf sind verschiedene Dimensionen von Netzwerkeffekten zu unterscheiden. Neben den Fragen, wie stark der Einfluss des sozialen Umfeld auf die Entscheidung für oder gegen Kinder überhaupt ist und welche Personen im Netzwerk (Eltern, Freunde, Verwandte) eine besonders große Bedeutung haben, soll daher genauer untersucht werden, auf welche Weise sich diese Effekte entfalten: über die Vermittlung von familienbezogenen Normen, über die Bereitstellung von Ressourcen oder über soziale Ansteckung und Prozesse des sozialen Lernens.

6. Bedeutung gesellschaftlicher Rahmenbedingungen für Elternschaftsentscheidungen

Die Wahrnehmung und Bewertung von möglichen fertilitätsrelevanten Kontextfaktoren durch (potenzielle) Eltern  (z. B. allgemeine Kinderfreundlichkeit der Gesellschaft, familienpolitische Maßnahmen, institutionelle Kinderbetreuung) und der Einfluss gesellschaftlicher  Rahmenbedingungen ist ein weiteres Untersuchungsfeld. So soll die Frage beantwortet werden, ob und in wie weit Kontextvariablen (unterschiedliche lokale Opportunitätsstrukturen wie Kinderbetreuungsmöglichkeiten, familienpolitische Maßnahmen) für Fertilitätsentscheidungen überhaupt eine Rolle spielen. Auch soll untersucht werden, ob der ideale und der realistische Kinderwunsch durch familienpolitische Maßnahmen beeinflussbar sind.

7. Regionale Unterschiede in der Geburtenentwicklung

Ein weiteres Ziel ist es, unter Einbeziehung struktureller und kultureller Faktoren, die Ursachen für zum Teil über lange Zeiträume stabile Unterschiede der Geburtenraten zwischen verschiedenen Regionen in der Bundesrepublik zu untersuchen. Es soll geklärt werden, wieweit sich das Fertilitätsverhalten in unterschiedlichen sozialstrukturellen und/oder kulturellen Kontexten (z. B. in Regionen mit unterschiedlichem familienpolitischen „Klima“ oder mit unterschiedlichen Betreuungsquoten für Kleinkinder) tatsächlich unterscheidet.


[1] Wie die Entscheidungsprozesse für oder gegen bestimmte Alternativen bei unfruchtbaren Paaren ablaufen und welche psychischen, aber auch materiellen Kosten mit einzelnen Alternativen verbunden sind,  kann aber nur im Rahmen einer – quantitativen und/oder qualitativen – Zusatzstudie erforscht werden, die mittel- bis langfristig angedacht ist.

Erhebungsinstrumente und deren Taktung

Um die Entscheidung zur Elternschaft in ihrer vollen Komplexität abzubilden, werden verschiedene Instrumente im jährlichen bzw. zweijährlichen Turnus in den Befragungen des pairfam-Projekts eingesetzt. Hierbei sind grundsätzlich zwei Typen von Informationen zu unterscheiden: Die Fragen im Sexualitäts-, Verhütungs- und Fertilitätsmodul thematisieren explizit den Entscheidungsprozess für oder gegen Kinder (z. B. Vor- und Nachteile von Kindern, Einigkeit mit dem Partner, Einschränkungsbereitschaft) und diesbezüglich relevante Verhaltensweisen (z. B. Verhütungsverhalten). Daneben werden eine Vielzahl von Fragen gestellt, mittels derer mögliche Einflussfaktoren auf Elternschaftsentscheidungen erfasst werden. Hierbei handelt es sich insbesondere um die Erfahrungen in der eigenen Kindheit (Einschätzung der eigenen Kindheit als glücklich, Berufstätigkeit Mutter während der eigenen Kindheit, Zahl der Geschwister), Erfahrungen mit vorhandenen Kindern (Gesundheitszustand, Betreuungssituation, Erziehungsziele, Erfahrungen in der Elternrolle), Erfahrungen in der Partnerschaft (Partnerschaftsstatus und –form, Partnerschaftszufriedenheit und –stabilität, Übereinstimmung mit dem Partner bei Fragen der Kindererziehung, Arbeitsteilung mit dem Partner in Hinblick auf Hausarbeit und Kindererziehung) sowie die allgemeinen Lebensbedingungen (materielle Situation, Erwerbsstatus, Merkmale der Erwerbstätigkeit, Zufriedenheit mit Erwerbstätigkeit, eigener Gesundheitszustand, Pflegebedürftigkeit von Familienangehörigen).[1]

Im Folgenden werden die Instrumente im Modul „Sexualität und Verhütung“ und „Fertilität“ genauer vorgestellt.

Es versteht sich von selbst, dass zunächst eine möglichst differenzierte Messung der Intention zur Elternschaft bzw. des generativen Verhaltens von Personen vorzunehmen ist. Deshalb werden verschiedene Stufen der Intention bzw. der Praxis des pro- oder kontrazeptiven Verhaltens abgebildet. Jährlich erhoben werden die intermediären Variablen der Fertilität (Geschlechtsverkehr, Empfängnisverhütung, Schwangerschaft, Geplantheit der Schwangerschaft[2], Fruchtbarkeit/Zeugungsfähigkeit, Maßnahmen zur Herbeiführung einer Schwangerschaft, Schwangerschaftsabbruch[3], Fehlgeburt[4]).

Kinderzahl[5], Kinderwunsch und Fertilitätsintention werden ebenfalls jährlich durch unterschiedliche Konzepte erfasst: Bei der Kinderzahl wird zwischen leiblichen/adoptieren Kindern insgesamt und leiblichen/adoptierten Kindern im Haushalt unterschieden. Darüber hinaus werden auch Stiefkinder erfasst. Beim Kinderwunsch wird sowohl nach der idealen gewünschten Kinderzahl („Wenn Sie einmal alle Hindernisse außen vor lassen: Wie viele Kinder würden Sie im Idealfall insgesamt gerne haben?“) als auch nach der realistisch erwarteten Kinderzahl („Wenn Sie einmal realistisch über Kinder nachdenken: Wie viele Kinder denken Sie, werden Sie haben?“) gefragt. „Während der ideale Kinderwunsch weitgehend abstrakt von den konkreten, persönlichen Rahmenbedingungen bleibt, weist die ‚realistisch erwartete’ Kinderzahl … einen starken Realitätsbezug auf und dürfte zur Vorhersage der tatsächlichen Kinderzahl weitaus besser geeignet sein“ (Huinink et al. 2008: 325). Weiterhin wird gefragt, ob die Befragten vor haben, innerhalb der nächsten zwei Jahre Eltern zu werden bzw. die Absicht haben, ein Kind zu adoptieren, wobei letzteres vor allem für die Personengruppe relevant sein dürfte, die aus medizinischen Gründen keine eigenen Kinder bekommen kann. Ergänzt wird die Erhebung durch zwei Fragen nach relevanten Altersgrenzen: das Alter, in dem realistischerweise das erste bzw. nächste Kind erwartet wird, sowie das Alter, in dem die Befragten spätestens das erste bzw. nächste Kind haben möchten. Die generative Intention und das erwartete Alter für die Geburt des ersten/nächsten Kindes sind zentrale Variablen, die sich z. B. durch Lebensereignisse wie Arbeitslosigkeit relativ schnell verändern können. Dagegen gehen wir davon aus, dass sich das „späteste Alter“, welches u. a. die Dringlichkeit abbildet, langsamer ändert, so dass hierfür eine zweijährige Abfrage vorgesehen ist.[6]

Wie oben gezeigt, ist Kinder zu haben eine voraussetzungsvolle und langfristig bindende Aufgabe, die Auswirkungen auf andere Lebensbereiche hat bzw. mit anderen Lebenszielen konkurriert. Um den Entscheidungs- und Abwägungsprozess für oder gegen Kinder abzubilden, wurde eine breite Palette von Instrumenten entwickelt, die teils in jährlichem, teils in zweijährlichem Turnus erhoben werden. Ein erster Aspekt sind die Values of Children, also die Erwartungen und Befürchtungen, die mit Kindern verbunden sind, die in jedem zweiten Jahr erfragt werden sollen. Weiterhin wird alle zwei Jahre nach der Wichtigkeit und in jedem Jahr nach dem Grad der Erfüllung von persönlichen Voraussetzungen für Elternschaft gefragt (z. B. finanzielle Leistungsfähigkeit, Verfügbarkeit von Kinderbetreuung, Vereinbarkeit mit beruflicher Situation, Vereinbarkeit mit Freizeitinteressen, persönliche Bereitschaft). Darüber hinaus werden jährlich die Einschränkungsbereitschaft sowie die antizipierten Auswirkungen[7] von Elternschaft auf andere Lebensbereiche erhoben. Bei Personen ohne (weiteren) Kinderwunsch werden außerdem explizit die Gründe gegen (weitere) Kinder erfragt.

Darüber hinaus fragen wir nach dem Entscheidungsmodus bei Elternschaftsentscheidungen.[8] Wir unterscheiden zwischen einem kalkulierenden, nicht-planenden, normativen und emotionalen Modus. Da wir davon ausgehen, dass es sich hierbei um eine eher stabile Disposition handelt, ist ein zweijähriger Erhebungsabstand vorgesehen.

Der Paarkontext des Entscheidungsprozesses wird systematisch berücksichtigt, indem nach dem Grad der Übereinstimmung mit dem Partner in Hinblick auf die Zahl und den Zeitpunkt der Kinder gefragt wird.[9] Darüber hinaus wird ein großer Teil der genannten Fragen in derselben Formulierung im (schriftlichen) Partnerbogen auch dem Partner bzw. der Partnerin der Ankerperson gestellt, so dass dyadische Analysen möglich sein werden.[10]

Im zweijährigen Abstand werden die Ankerpersonen – über die Erfassung eines egozentrierten Netzwerks hinaus – global nach der Meinung von Freunden und Eltern in Bezug auf eine (weitere) Elternschaft der Befragten und zur Priorität beruflicher Ziele gefragt. Jährlich wird die Einschätzung der erwarteten emotionalen, zeitlichen und materiellen Unterstützung im Falle einer (weiteren) Schwangerschaft erhoben.[11]

Ein weiterer Fragekomplex im Fertilitätsmodul befasst sich mit den gesellschaftlichen Rahmenbedingungen für Elternschaftsentscheidungen und deren Wahrnehmung. Hierzu wird – beginnend mit Welle 2 – alle zwei Jahre gefragt, wie die Befragten die Kinderfreundlichkeit der Gesellschaft, die aktuellen familienpolitischen Maßnahmen sowie die Möglichkeiten zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie im Allgemeinen bewerten. Um die Bedeutung familienpolitischer Maßnahmen für Elternschaftsentscheidungen zu erfassen, werden die Befragten außerdem explizit gebeten, die familienpolitischen Maßnahmen zu nennen, die am ehesten eine Entscheidung zugunsten eines Kindes beeinflussen können. Zur differenzierteren Analyse von regionalen Unterschieden in der Familienentwicklung sollen zusätzliche Kontextvariablen auf kleinräumiger Ebene (Kreisebene oder noch kleinräumigere Einheiten) zugespielt werden, wie sie etwa von MICROM angeboten werden.


[1] Ein Teil dieser Variablen wird erstmals in Welle 2 erhoben.

[2] Erstmals in Welle 2 erhoben

[3] Erstmals in Welle 2 erhoben

[4] Erstmals in Welle 2 erhoben

[5] Die Fragen zu leiblichen, Adoptiv- und Stiefkindern werden im LHC gestellt.

[6] Das späteste Alter wird erstmals in Welle 2 erhoben.

[7] Die antizipierten Folgen werden erstmals in Welle 2 erhoben.

[8] Erstmals in Welle 2 erhoben

[9] Erstmals in Welle 2 erhoben

[10] Nicht im Partnerfragen enthalten sind die Fragen nach den persönlichen Voraussetzungen für Kinder und die Instrumente, mit denen der Einfluss gesellschaftlicher Rahmenbedingungen erfragt werden soll.

[11] Die Meinung zum Beruf und die erwartete Unterstützung werden erstmals in Welle 2 erhoben. In anderen Modulen des Fragebogens werden darüber hinaus erhoben: Personen mit Kindern unter drei Jahren im Netzwerk; erhaltene Unterstützung durch Eltern bei der Kindererziehung; geleistete Unterstützung für andere.

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